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Kunst trifft Design trifft BIOlecker
„kunstrichtungtrotha“: Sechs virtuose Künstlerinnen arbeiten in altem Gehöft

Halle. In einem lauschigen Winkel der Ortslage Trotha versteckt liegt ein beeindruckendes altes Gehöft, in dem man etwas finden kann, das man dort zunächst nicht vermutet. Denn an der linken Hauswand der Saalestraße 1 steht in großer alter Schrift geschrieben: „Hermann Bernstein Speise- und Pflanzkartoffeln – seit 1890“. Doch stößt der vielseitig Interessierte hier unweigerlich auf einen Geheimtipp innerhalb der halleschen Kunstszene – auf die Ateliergemeinschaft „kunstrichtungtrotha“.
Sechs mitten im Leben stehende junge Frauen – Freundinnen und zum Teil ehemalige Kommilitoninnen an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle – haben sich seit 2002 in den diversen Gelassen des alten Kartoffel- und Saathandels ihre eigene kleine kreative Welt erschaffen. Hier trifft Kunst auf Design und beides wiederum auf erlesene vegetarische Biokost. Jede der kunstfertigen Damen verfolgt einerseits ihre individuellen Projekte. Andererseits präsentiert man Arbeiten zum Teil bei gemeinsamen Ausstellungen, Messen oder auf Märkten. Vor Ort werden zudem Workshops für Kinder und Erwachsene in den Bereichen Keramik, Textilgestaltung sowie in der Holz- und Backwerkstatt angeboten. Partner sind ebenso Schulen und Kindereinrichtungen, wo Mädchen und Jungen unter anderem Interessantes über die Symbiose von Kunst und Natur erfahren.
Zuerst ließen sich die Keramikerin Claudia Klinkert und die Bäckerin Anke Deimig in dem geschichtsträchtigen Gehöft in Trotha nieder. Frau Klinkert, die an der „Burg“ unter solchen bekannten Kapazitäten wie Andrea Zaumseil (Metall) und Martin Neubert (Keramik) studierte, nutzte die Räumlichkeit am Anfang lediglich als Sommer-Atelier. Ihre fantasievollen Keramikgefäße sowie -installationen mit den zarten Motiven haben inzwischen zahlreiche Liebhaber gefunden. Anke Deimig baute sich hier ihren Biokost-Laden mit Brotbackstube auf. Wer meint, dass Backen keine Kunst sei, der irrt sehr. Denn jeder, der Anke Deimigs köstliche Kuchen, Brote und Brötchen zum jährlich im September stattfindenden „Tag des offenen Ateliers“ oder zum Adventsmarkt gekostet hat, kommt irgendwann in ihre „BIOlecker“-Backstube zurück. Immer donnerstags, von 14 bis 18 Uhr, wenn der Galerie-Laden für Besucher und Kaufinteressierte geöffnet hat, gibt die Bäckerin auch vorher bestellte Brote aus.
Im Jahr 2012 gab sich die Künstlerinnengruppe, die nun mit Bildhauerin Christin Müller, Grafik- und Produkt-Designerin Suse Kaluza, der Spiel- und Lernmittelgestalterin Inga Becker sowie der Trickfilmerin und Figurengestalterin Yvonne Brückner komplett ist, den Namen „kunstrichtungtrotha“. Seitdem steht die Kunst hier in voller Blüte. Neben den Öffnungszeiten des Galerieladens kann man Arbeiten der Künstlerinnen demnächst zu folgenden Terminen bestaunen: Vom 27. Februar bis zum 4. April stellt Christin Müller ihre fragil und sensibel anmutenden figürlichen Plastiken in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt (Neuwerk 11) aus. Feine österliche Deko- und Geschenk-Ideen von Suse Kaluza findet man vom 16. März bis zum 9. April in der Galerie „Rauminhalt“ (Geiststraße 43). Und am 26. Februar findet im „Christian-Wolff-Haus“ (Große Märkerstraße 10) ein Gespräch mit vom Fotografen Jochen Ehmke porträtierten Künstlern aus seinem Schwarz-weiß-Fotoband „Frei Schaffend Selbst Ständig“ statt. Hier wurden unter anderem auch die Frauen der „kunstrichtungtrotha“ für die Ewigkeit festgehalten.
Informationen und Kontakt zur Ateliergemeinschaft findet man über die Internetseite http://www.kunstrichtungtrotha.com
Gabriele Bräunig

Veröffentlicht am 01. Februar 2015 in den halleschen Sonntagsnachrichten

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